Es gibt einen Sinnspruch, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich einmal traurig nach Hause kam, enttäuscht über eine gemeine Bemerkung eines anderen Kindes, wütend über meinen emotionalen Ausbruch vor den anderen Kindern und frustriert über meine mangelnde Fähigkeit, gelassen über den Dingen zu stehen. Mein Vater setzte sich zu mir und sagte: »Du musst den Willen haben, zu ändern, was du ändern kannst. Die Geduld, mit dem zu leben, was du nicht ändern kannst. Und die Intelligenz, den Unterschied zu erkennen.«

Ich werde seine Worte nie vergessen; sie begleiten mich seit diesem Tag. In der Zwischenzeit weiß ich, dass der Sinnspruch (in etwas anderer Form) auf den amerikanischen Theologen und Philosophen Reinhold Niebuhr zurückgeht. Man vermutet, dass er sein Gelassenheitsgebet während des Zweiten Weltkriegs verfasste und Gott damit um Gelassenheit, Mut und Weisheit bat. In den Worten meines Vaters steckt sehr viel Lebensweisheit.

Für mich fordert der erste Satz: »Du musst den Willen haben, zu ändern, was du ändern kannst«, schon ganz viel Mut und Eigenverantwortung. Er ist eine klare Aufforderung, etwas aus seinem Leben zu machen, dort, wo es möglich ist, einzugreifen, zu handeln und zu verändern. Der zweite Satz: »Die Geduld, mit dem zu leben, was du nicht ändern kannst«, appelliert an die Fähigkeit, anzunehmen und loszulassen und nicht mit den Umständen oder dem vermeintlichen Schicksal zu hadern, um keine unnötige Energie, Lebenszeit und Lebensfreude zu verschwenden. Der dritte Satz: »Und die Intelligenz, den Unterschied zu erkennen« spornt an, auf ehrliche und kritische Weise die Dinge und die Welt zu hinterfragen und wertvolle Einsichten zu gewinnen. Wo habe ich die Möglichkeit, einzugreifen? Wo sind mir ganz natürliche Grenzen gesetzt? Wie funktioniert der Geist? Wie ticke ich und wie die anderen?

Ein Mangel an Gelassenheit und dadurch aufkommende Empfindungen wie Leid, Unzufriedenheit, Ungeduld und Ärger entstehen durch den Widerspruch von Erwartung und Wirklichkeit. Gelassen sein – das muss man »wollen«, denn Gelassenheit beginnt im Kopf. Es bedarf nur einer klaren Entscheidung und der richtigen geistigen Einstellung bzw. mentalen Haltung. Und diese lässt sich trainieren. Mitgefühl mit mir und mit anderen Menschen zu haben ist dabei eine essenzielle Voraussetzung. Denke daran: Du hast immer und jederzeit die Freiheit, auf eine Situation so zu reagieren, wie du willst! Denn es lassen sich jeden Tag tausend Gründe finden, weshalb du dich gerade jetzt aufregen, die Geduld verlieren, dir Sorgen machen oder aus der Haut fahren könntest. Es gibt aber immer mindestens einen Grund, es nicht zu tun! Ich nenne dir nachfolgend gleich mehrere.

Gelassene Menschen sind:

› zuversichtlicher
› souveräner
› entspannter
› selbstsicherer
› konstruktiver
› geduldiger
› stressresistenter
› leistungsfähiger
› ruhiger
› zufriedener
› gesünder
› vitaler
› erfolgreicher
› intelligenter
› beliebter
› glücklicher

Ich wünsche dir viel Geduld und Freude beim Üben und den Mut, die Dinge zu verändern, die du ändern kannst. Aber auch die Gelassenheit, die Dinge anzunehmen und loszulassen, die du nicht ändern kannst, und die Ein- und Weitsicht, das eine vom anderen unterscheiden zu können!

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